
- Top oder Flop, das Internet beschleunigt die HR - Jan Thomas Otte
Im Netz tummeln sich über 500 verschiedene Anbieter. Wer eine Stelle sucht oder Bewerber gezielt ansprechen möchte, braucht einen fundierten Marktüberblick. Jeder will die besten Köpfe fürs eigene Unternehmen gewinnen. „Daher müssen sich Jobbörsen zwangsläufig als 'exzellent' darstellen“, sagt Jakob Weinberg, Professor für E-Business an der Fachhochschule Wiesbaden, „um sich exzellent darzustellen wird der Maßstab so gewählt, dass das Ergebnis immer top ist.“ Jobbörsen und IT-Systeme können die Personalauswahl nicht ersetzen. Sie sind für Personaler als auch Stellensuchende eine schnelle und kostengünstige Alternative zur klassischen Methode.
Headhunter-Markt mit über 500 Jobbörsen und Dienstleistern
Die Masse an Stellen wird in Zukunft im Internet angeboten. Dieser Trend wird sich im Rahmen der demografischen Entwicklung weltweit noch verstärken. Deutschland und Europa werden bekanntlich immer älter. Ein relativ neues Instrument im E-Recruitment ist das Online-Assessment-Center. Die Erwartungen an ein solches Tool sind hoch, genutzt wird es bisher jedoch erst von wenigen Unternehmen. Vor allem eine Potentialanalyse, wie es Personaldienstleisters anbieten, dient seit Jahren als bewährtes Rückgrat zur Charakterisierung des Persönlichkeitsprofils.
Internet als Ergänzung zum "normalen" Auswahl-Prozess im Recuiting
Trotz aller technischen Raffinessen im E-Recruiting wird man jedoch für die genaue Identifizierung geeigneter Mitarbeiter fürs Unternehmen einen klassischen Auswahlprozess installieren müssen. Darin enthalten sind auch typische Assessment-Center-Übungen und Interviews, um einen besseren Eindruck vom Kandidaten zu bekommen. „Man wird sich zur Evaluierung im Internet nicht nur auf Persönlichkeitsaussagen vom Kandidaten selbst verlassen“, sagt ein Heidelberger Personalexperte. Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft des Internet. Auch im laufenden Jahr werden viele offene Stellen online besetzt.
Mehr Human Ressource-Projekte, mehr Zeitarbeit, weniger Planstellen
Dies geht aus der Studie "Recruiting Trends" der Universität Frankfurt am Main hervor. Rund 90 Prozent aller offenen Stellen werden bereits auf unternehmenseigenen Homepages, knapp zwei Drittel über Online-Stellenbörsen veröffentlicht. Der Markt rechnet demnach mit einer steigenden webbasierten Nachfrage nach Jobs und Projekten. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Online-Stellenbörsen gegenüber Printmedien ist die individuelle und maßgeschneiderte automatisierte Suche. Besonders technikorientierte Branchen rund um IT, Consulting und Engineering profitieren davon. „Aufgabenstellungen in den Unternehmen haben bis zu 60 Prozent Projektcharakter“, sagt Christoph Beck von der Fachhochschule Koblenz.
Routine-Prozesse und Spezialisten-Suche für High Potentials
Es handele sich vor allem um Aufgaben mit einem ansteigenden Komplexitätsgrad, bei dem nur 10 Prozent der Tätigkeiten auf strategische Aufgabenfelder und Leitungsaufgaben entfallen. Die anderen 30 Prozent seien dagegen Routineprozesse, die synergetisch von Technik und Mensch gleichermaßen wahrgenommen werden könnten.“ Diese Entwicklung führt dazu, dass Unternehmen immer mehr freie Mitarbeiter im Projektgeschäft einsetzen und hierfür temporär per Internet nachfragen.
Human Ressource, Capital und Enterprises weltweit
Auch aus dem Ausland sollen die besten Köpfe fürs eigene Unternehmen gewonnen werden, denn für rund ein Drittel der Unternehmen ist es nach Angaben der Studie bereits heute wichtig, junge Akademiker aus dem Ausland morgen zu erreichen. Doppelt so viele gehen davon aus, dass die Relevanz der Auslandsrekrutierung in den kommenden fünf Jahren weiter steigen wird. Eine Herausforderung, die ohne eine digitalisierte und internetbasierte Recruitment-Strategie kaum zu bewältigen sein dürfte.
